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Elektromobilität: Drei Fragen an Prof. Dr. Stefan Bratzel

Elektromobilität: Drei Fragen an Prof. Dr. Stefan Bratzel

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Prof. Dr. Stefan Bratzel, Mobilitätsforscher und ehemaliger Produktmanager bei smart spricht mit uns im Interview bereits vor unserer Konferenz über die Chancen und Risiken der Elektromobilitätswende, die nötigen Infrastrukturen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.

Herr Professor Bratzel, kürzlich titelte die Frankfurter Allgemeine, dass Elektroautos trotz Kaufprämie Ladenhüter seien. Haben die Kunden keine Lust auf Elektromobilität?

Nein, das glaube ich nicht. Ich spreche in diesem Kontext lieber vom „RIP-Problem“: Reichweite, Infrastruktur und Preis. Wenn das nicht gelöst wird, dann hilft auch eine Kaufprämie nicht viel. Wir haben ein Angebots- beziehungsweise ein Technologieproblem. Es gibt kaum Fahrzeuge, die den Kundeinteressen entsprechen. So langsam setzt sich bei Herstellern und der Politik nun die Erkenntnis durch, dass insbesondere an Reichweite und Infrastruktur gearbeitet werden muss.

Vor Jahren hieß es, dass Thema Reichweite würde überschätzt, weil Autofahrer statistisch nur 50 Kilometer pro Tag fahren. War das ein Irrglaube?

Ich kenne ähnliche Argumentationen aus meiner früheren Tätigkeit bei Smart. Da hieß es, im Schnitt sitzen doch weniger als zwei Leute im Auto, warum also mehr Plätze? Es ist aber so, dass viele gerne die Möglichkeit haben wollen, mehr Leute mitzunehmen. So ähnlich ist das beim Thema Reichweite. Selbst wenn 80 Prozent meiner Wege kürzer als 50 Kilometer sind, möchte ich trotzdem die Oma besuchen können, die weiter weg wohnt. Diesen Wunsch der Kunden hatten die Hersteller nicht im Blick und korrigieren sich nun. Zudem muss die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Wenn wir von öffentlicher Infrastruktur reden ist eigentlich nur das Schnellladen sinnvoll. Deswegen sollten sich Förderung, aber auch die Aktivitäten der Hersteller darauf konzentrieren und vor allem an den Autobahnen muss ein entsprechendes Netz entstehen.

Die chinesische Regierung will Hersteller mit einer Mindestquote für Elektroautos belegen. Was halten Sie von diesem Ansatz?

Das kommt nicht überraschend. Es ist schon lange klar, dass China auf dem Gebiet der Elektromobilität seine Chancen sieht. Der Handlungsdruck ist gerade in Bezug auf die Luftqualität in den chinesischen Städten groß. Nun wird ein starkes Schwert ausgespielt. Die Mindestquote zwingt Hersteller dazu, vor Ort Elektrofahrzeuge anzubieten, die dann auch gekauft werden. Das wird für Impulse sorgen. Die Automobilindustrie ist global ausgerichtet, der chinesische Markt spielt dabei eine enorme Rolle. Der Druck, auch auf die europäischen Autobauer, steigt also.

 

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100% Erneuerbare E-Mobilität für Europa

 

Montag, 30. Januar 2017 um 18:30
Forum Da Vinci
6, boulevard Grand-Duchesse Charlotte
L-1330 Luxembourg
Um die Konferenz optimal organisieren zu können wird um Anmeldung 
via E-Mail an linda.gaasch@europarl.europa.eu gebeten.

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